Schießbefehl

Schießbefehl, von Marius Müller.

Der Spieler (ein weiblicher Protagonist) versucht mit seinem Freund einen Grenzfluss zwischen Ost- nach Westdeutschland zu überqueren und wird dabei von den Wachsoldaten entdeckt. Im Kugelhagel versucht sie, sich und ihren Freund mit einem Boot ans andere Ufer zu retten.

Als Betatester habe ich bereits vor dem Grand Prix einen Einblick in das Design des Spiels gewonnen.

Inhaltlich ist der Stoff sehr spannend, lobenswert ist auch der Versuch, ein dunkles Thema deutscher Geschichte anzuschneiden. Dadurch erringt „Schießbefehl“ einen Sonderstatus im zuhauf vorhandenen Mix aus Erkundung und Schatzsuche.

Gut gemacht ist zweifelsohne das dramatisch knappe Zeitmanagement, das keinen Platz für Fehltritte läßt und die beklemmende Atmosphäre gut rüberbringt, auf Kosten einer hohen „Sterberate“ des Spielers, der sich mühsam an die Lösung hinarbeiten muss.

Die Spielmechanik führt den Spieler auf einem fest vorgegebenen Pfad – dagegen ist nichts einzuwenden, jedoch werden auch keine naheliegenden alternativen Lösungswege angeboten, wie etwa die Lampe mit dem Boot als Ablenkungsmanöver loszuschicken.

Die Wandlung der Soldaten (von „töte sie“ auf „ach lassen wir’s“) ist flapsig ausformuliert und unglaubwürdig dargestellt. Man kauft dem Schützen seinen plötzlichen Gesinnungswandel nicht ab. Dabei gibt es durchaus Anknüpfungspunkte, die sich hier anbieten könnten, wie z.B. die Tatsache, dass der Schütze seinem Opfer plötzlich Auge in Auge gegenübersteht oder etwa die BRD-Soldaten, hinter dem Zaun.

Die Implementierung weist noch einige Schwächen und sprachliche Mängel auf. Für ein „komfortables“ Gameplay müssen noch einige Synonyme (vor allem für Aktionen) eingebaut werden. Die wenigen vorhandenen Objekte fand ich hingegen passend für das Spiel, da der Fokus ja auf der Flucht und nicht auf dem gemütlichen Betrachten aller möglichen Objekte bis in Detail liegt.

Fazit: der bereits in der englischen Szene erfolgreiche Autor stellt ein solides (deutschsprachiges) Debüt auf die Beine, das über Klischees erhaben ist und mich mit seiner bedrückenden Atmosphäre vom ersten Moment an gefesselt hat; Die Geschichte schreit nach einer Post-comp-Version, in der die letzten störenden Fehler bereinigt sind — Für mich persönlich der zweite Platz in der Rangliste des Grand Prix 2011!

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