Der Angstbaum

Der Angstbaum, von Jens Bojaryn.

Der „Angstbaum“ ist kurz, viel kürzer als ich zunächst vermutet hatte, als ich das Spiel vor einigen Jahren zum ersten Mal gespielt habe.

Die Geschichte versetzt den Spieler ohne Vorgeplänkel direkt an den Hauptschauplatz, das „Kobeler Haus“ im Dorf der Boronoi. Nach der überraschenden Wende muss er fliehen, kehrt dann aber wieder zurück, um die Ereignisse zu erforschen.

Die Geschichte ist spannend aufgebaut und sehr schön erzählt, lässt aber am Schluss doch einige Fragen offen. Der Anspruch ist hoch und die Umsetzung technisch einwandfrei.

Herausragend gemacht ist die Spielmechanik im letzten Teil der Geschichte, die dem Spieler einen fremden Willen aufzwingt.

Empfehlung: unbedingt spielen, ein Meilenstein in der T.A.G. Historie.

Hortulus

Hortulus, von Florian Edlbauer.

Hortulus ist eine kurze Geschichte, die rund um das Kloster Niederzell auf der Insel Reichenau am Bodensee spielt.

Der Spieler ist ein Mönch, der ein Mittel beschaffen soll, um den Abt von seiner Krankheit zu heilen. Die Umgebung ist glaubwürdig beschrieben. Die Zelle des Protagonisten, die (zu niedrige) Schlafetage, die geräumige Bibliothek, die Küche, der Kräutergarten, die Schiffsanlegestelle und der Weg zur Kirche St. Peter und Paul zeichnen ein stimmiges Bild des Klosters im Mittelalter.

Auf der Suche nach Heilkräutern sammelt der Spieler Informationen aus einem Heilkundebuch und wendet dann die gefundenen Mittel (hoffentlich) richtig an.

Die Nichtspielercharaktere (der Abt, der Händler, Bruder Martin, Bruder Odo) sind gut getroffen und tragen zu einem gelungenen Spielgefühl bei.

Mich persönlich hat das Ende, das doch ziemlich schnell erreicht werden kann, etwas enttäuscht. Auch einen Besuch der Messe in der Kirche vermisse ich (wenn ich einen Mönch spiele) schmerzlich.

Die gelungene Atmosphäre tröstet aber darüber hinweg.

Jazz auf Tegemis

Jazz auf Tegemis, von Jörg Rosenbauer.

In Jazz auf Tegemis spielt man einen Kapitän eines Raumfrachters, der auf Tegemis Zwischenstation macht und sich auf einen gemütlichen Abend in der lokalen Jazzbar freut.

Die Jazzband ist der Höhepunkt des Abends, besonders die hübsche Sängerin Sarina. Schnell wird klar, dass ein Backstage-Pass doch recht nützlich wäre. Nachdem aber keiner verfügbar ist, muss sich der Spieler andere Wege suchen. Hat er sein Ziel schließlich mit einigen Tricks erreicht, stellt er fest, dass Sarina ihn aus einem ganz speziellen Grund näher kennenlernen wollte.

Jazz auf Tegemis ist zu Recht der Gewinner des Textfire Grand Prix 2004. Die Szenerie ist mit viel Liebe um Detail (bis hin zu den Toiletten) konstruiert und die Charaktere (der Barkeeper Heinz, die Laberpflanze und Sarina) wirken lebendig und facettenreich. Die Texte sind humorvoll geschrieben und machen Lust auf mehr.

Jazz auf Tegemis hat genau die richtige Länge. Das Einzige, was mir negativ aufgefallen ist, ist die „Undo“-Funktion, die nur einen einzigen Zug rückgängig macht. Das hat mir das erste Durchspielen vermasselt, weil ich am Ende nur einen Zug zur Verfügung hatte, für die Lösung aber vier in Folge gebraucht hätte.

Mir persönlich hat Jazz auf Tegemis viel Spaß gemacht, obwohl es keine „klassische“ Science Fiction Story ist. Mein Fazit: gehört zu der Kategorie Geschichten, die man unbedingt gespielt haben sollte.